PFAS in Schweizer Gewässern
Regionale Hotspots & BAFU-Daten
Die Belastung mit per- und polyfluorierten Alkylverbindungen (PFAS) ist in der Schweiz sehr ungleich verteilt. Sie steht in direktem Zusammenhang mit historischen Industriestandorten, Deponien und dem Einsatz von PFAS-haltigen Feuerlöschschäumen in der Vergangenheit. Dank des engmaschigen NAQUA-Messnetzes des Bundesamts für Umwelt (BAFU) lässt sich die Belastungssituation heute präzise analysieren.

Die BAFU NAQUA-Grundwasserbeobachtung im Überblick
Das nationale Grundwassermonitoring zeigt deutliche geografische Muster:
- Urbane Ballungsräume: Der Schwerpunkt der Nachweise liegt im Siedlungsgebiet. An über 90% der städtischen Messstellen lassen sich PFAS im Grundwasser nachweisen.
- Regionale Verteilung: Das dicht besiedelte Schweizer Mittelland und der Jura sind am stärksten betroffen, während die Voralpen und Alpen nahezu PFAS-frei sind.
- Gefährliche Mobilität: Längerkettige PFAS sind im Boden immobil. Es sind vor allem die mobilen, kurzkettigen PFAS-Verbindungen, die ungehindert ins Grundwasser durchsickern.
- Vorgeschlagene Grenzwerte: Der von der EU vorgeschlagene, sehr strenge Grundwasser-Richtwert von 0.0044 μg/l wird bereits an rund 25% aller Schweizer NAQUA-Messstellen überschritten.
Kantonale Brennpunkte im Detail

Kanton Tessin (Fallstudie Chiasso): Die Altlast der Löschschäume
Im Jahr 2020 wurde im südtessinischen Chiasso eine starke PFOS-Belastung in einem
Trinkwasserbrunnen entdeckt.
- Die Ursache: Eine historische Recherche ergab, dass die Verunreinigung auf Feuerwehrübungen mit PFOS-haltigen Löschschäumen zurückzuführen war, die bis zum Verbot im Jahr 2014 im Einzugsgebiet durchgeführt wurden.
- Die Massnahme: Die örtliche Wasserversorgung reagierte sofort und installierte eine Aktivkohle-Filtrationsanlage für CHF 1.7 Millionen, um die Grenzwerte im Trinkwasser wieder sicher einzuhalten.

Kanton Zürich: Monitoring & die „Züri Trinkwasser Map“
Der Kanton Zürich überwacht seine Gewässer intensiv über das AWEL (Amt für Abfall, Wasser, Energie und Luft).
- Böden und Landwirtschaft: Systematische Kontrollen zeigten, dass bei rund 11% der untersuchten Zürcher Landwirtschaftsbetriebe PFAS-Rückstände im Boden oder in Erzeugnissen über den Richtwerten lagen.
- Konsumentenschutz: Kürzlich wurden im Zürcher Handel PFAS-haltige Kosmetika und Textilien beschlagnahmt und sofortige Verkaufsverbote verhängt.
- Zukunft: Ab 2027 werden PFAS standardmässig im kantonalen Messprogramm für Oberflächengewässer (NAWA) erfasst.

Kanton Aargau: Altlastenvollzug & das Deponie-Dilemma
Da auf Bundesebene noch allgemeine Bodengrenzwerte fehlen, legt die kantonale Abteilung für Umwelt (AfU) im Aargau standortspezifische Werte fest.
- Der K-Wert: Für die Sanierung von Grundwasser gilt ein Konzentrationswert von 200 ng TEQ/L für die Summe von 16 PFAS-Verbindungen.
- Aushub-Entsorgung: Aushubmaterial wird streng nach den Grenzwerten der Bundes-Abfallverordnung (VVEA) eingeteilt – vom unverschmutzten Material (U-Wert: 0.5 μg/kg) bis zu stark belasteten Abfällen (E-Wert: 5 μg/kg).
- Das Problem: Weil die Entsorgung und Sickerwasserbehandlung extrem aufwendig ist, nehmen Aargauer Deponien derzeit konsequent keine PFAS-haltigen Abfälle mehr an, was die Bauwirtschaft vor enorme Probleme stellt.
Lokaler Schutz für Ihr Zuhause: Was Sie jetzt tun können
Egal ob in städtischen Ballungsräumen oder nahe historischer Industriestandorte
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